Was ist Neuraltherapie ?

Aktuell zur Neuraltherapie :

Seit Frühjahr 2006 sind Lokalanästetika wie Procain bis 2% für Heilpraktiker praktisch nur noch zur intracutanen Injektion einsetzbar (und zugelassen) und die Neuraltherapie somit nur noch sehr begrenzt anwendbar. Diese gesetzliche Neuregelung kam auf Grund einer Vereinheitlichung der Standards und Verschreibungspflicht zustande und beschränkt die Neuraltherapie selbstverständlich auch in unserer Praxis nun auf oberflächliche Injektionen im wesentlichen zur lokalen Schmerz- und Segmenttherapie. Wir bitten dafür um Ihr Verständnis.

Die Neuraltherapie wurde um 1925 von den Brüdern Ferdinand und Walter Huneke begründet. Zunächst „Heilanästhesie“ genannt, erkannten die Brüder schnell die tiefgreifende Wirkung lokaler Injektionen, sowie die mögliche Fernwirkung auf, von pathologischen Geschehen befallene, weit entfernte Körperareale.

Die heutige, moderne Therapie lässt sich in die Segment- und Störfeldtherapie einteilen und besteht aus der gezielten Injektion sehr geringer Dosen des Lokalanästhetikums Procain in die Haut oder tiefer liegender Gewebe.


Procain

Das Procain wird in der Neuraltherapie nicht im üblichen pharmakologischen Sinn verwendet. D.h. seine anästhesierende Wirkung spielt hier keine Rolle, vielmehr sein Potential Zellen und Zellverbände zu „regulieren“ durch eine Depolarisation ihres Membranpotentials. Über die Reizleitung so beeinflusster vegetativer Nervenfasern können zum Beispiel oberflächlich behandelte Bereiche darunter liegende pathologisch veränderte Strukturen positiv beeinflussen und helfen, sie in ihren physiologischen Zustand zurückzuführen.

Segmenttherapie

In der Segmenttherapie wird weitestgehend lokal behandelt. Es werden durch direkte Injektionen in Haut, Muskeln, Bänder, Gelenke und nervale Strukturen örtliche Schmerzzustände und Dysfunktionen behandelt. Außerdem besteht die Möglichkeit über cutiviszerale Reflexbögen nach Head und Mackenzie, Organe und Organsysteme durch oberflächliche Injektionen in bestimmte, den jeweiligen Organen zugeordnete Hautareale zu beeinflussen.

Störfeldtherapie

„Unter einem Störfeld, bzw. Herd wird jede Stelle und jedes Organ verstanden, das pathologisch verändert ist oder einmal war und das die Fähigkeit angenommen hat, über die nächste Umgebung hinaus Erkrankungen hervorzurufen und zu unterhalten.“

Ein Störfeld entsteht durch eine im vegetativen Nervensystem fixierte Information, die durch körpereigene Regulationsmechanismen nicht zu unterbrechen ist und ein Krankheitsgeschehen weit entfernt von seinem Entstehungsort auslösen kann.

Durch eine gründliche Diagnostik und die gezielte Injektion von Procain an das Störfeld kann dieser pathologische Regelkreis u.U. durchbrochen werden. Man spricht beim schlagartigen Wegfall der Symptome nach der Injektion vom Auftreten eines „Sekundenphänomens“.



Die Neuraltherapie nach Huneke stellt in der Praxis eine schnelle und kompetente Behandlungsmöglichkeit dar, die unter Ausnutzung des ubiquitär vorhandenen vegetativen Nervensystems und dessen Leitstrukturen, speziell des Sympathikus, die Möglichkeit des Körpers zur Eigenregulation wieder herstellt.

Abschließend bleibt zu sagen, dass für die Ausübung der Neuraltherapie eine intensive Kenntnis der anatomischen Strukturen, sowie deren Wirkung auf Krankheitsgeschehen und eine sichere Injektionstechnik entscheidend sind.

Zur Qualitätssicherung und Vereinheitlichung des Ausbildungsstandards gab es von 2004 bis zur gesetzlichen Neuregelung 2006 zertifizierte Kurse des Hessischen Fachseminars für Naturheilkunde e.V (Hfs).

Wenn Sie detailliertere Auskünfte wünschen, stehe ich gerne zu Ihrer Verfügung.